Übergabe der Kampagne „Uns geht’s ums Ganze“ nach Amberg

Am 21. Februar 2019 fand die Übergabe der Kampagne „Uns geht’s ums Ganze“ in Amberg.
Wir freuen uns sehr, dass wir es geschafft haben, die Kampagne nach München, Erlangen/Fürth/Nürnberg und Regensburg nun nach Amberg weiterwandern zu lassen und wünschen allen Beteiligten viel Erfolg!

Lesen Sie hier die beiden Grußworte von Hannelore Güntner, Vorstandsfrau der LAG Mädchenpolitik Bayern, sowie von Judith Pöpping, Teil des Kampagnenteams von Regensburg.

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Hier das Grußwort unserer Vorstandsfrau Hanne Güntner:

Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts neigte sich schon dem Ende zu und, so mussten die Frauen im Münchner Fachforum für Mädchenarbeit konstatieren, es hatte sich kaum was verändert in den letzten Jahren. Immer noch waren die Mädchen gefangen im Spagat zwischen Körperwahn, Schönheitsnormierung, Sexyness und den Anforderungen lebenslanger Carearbeit.

Heute noch gibt es mehr Michaels und Thomas in den börsennotierten Unternehmensvorständen als Frauen und nur 5 % Männer in Kitas sowie einige wenige Männer, die mehr als 2 Monate Elternzeit nehmen. Von der Parität von Frauen in politischen Entscheidungsebenen ist nach 100 Jahren Frauenwahlrecht noch nichts zu sehen.

Das von Mädchen und jungen Frauen selbstbestimmte Leben, für das die Kampagne „Uns geht’s ums Ganze“ eintritt, ist immer noch ein Ziel. Mädchen und jungen Frauen sollen sich wohl fühlen in ihren Körpern, mit ihren Vorstellungen von Leben, mit ihren Vorlieben und ihren Entscheidungsmöglichkeiten.

Die Gesellschaft hat sich gewandelt – Standesdünkel und familiäre Zwänge sind weniger geworden, aber die medialen Vorgaben sind mächtig. Im Kinderfernsehen sind nur ¼ der Rollen mit Mädchen oder Frauen besetzt und die Welt wird von Männern erklärt. Vom Redeanteil von Frauen in Filmen war erst vor kurzem in der SZ zu lesen – quasi marginal. Aber dafür darf ja jährlich Heidi Klum mit ihrem Frauennormierungsprogramm GNTM Geld in Kassen spülen.

Es braucht einen langen Atem, das ist klar. Zum Ende der Münchner Kampagne stand 2013 ein Stadtratshearing, in dem unter anderem gefordert wurde, dass städtische Werbeflächen nicht mehr mit sexistischer Werbung bestückt werden dürfen – 2018 erging endlich der Beschluss des Stadtrats dazu.

Wir – die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Bayern e.V. – setzen uns ein für die Belange von Mädchen und jungen Frauen in Bayern und vernetzen Fachfrauen, die mit Mädchen und jungen Frauen arbeiten. Wir haben die Kampagne als LAG Mädchenpolitik Bayern übernommen, damit die Idee, die Methoden und das Wissen nicht verloren gehen, sondern in immer mehr Regionen genutzt werden können für die Mädchen und jungen Frauen – für ihr selbstbestimmtes Leben und ihr Wohlgefühl.

Als Vorstandsfrau der Bundesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik forderte ich Mädchen und jungen Frauen in einer Videobotschaft zu 100 Jahre Frauenwahlrecht auf: Nehmt eure Rechte in Anspruch, fordert euren Platz ein – nur so gelingt echte Geschlechtergerechtigkeit!

So wünsche ich ein gutes Gelingen und viel Spaß allen Beteiligten mit der Kampagne „Uns geht’s ums Ganze!- für Selbstbestimmung von Mädchen und jungen Frauen!“

 

Und hier das Grußwort von Judith Pöpping, die Teil des Regensburger Kampagnenteams war:

Vielen Dank für die Einladung zu diesem feierlichen Auftakt!

Ich stehe hier heute Abend stellvertretend für das Team der Regensburger Kampagne. Zu diesem gehörten auch Julia Müller, Michaela Schindler, beide Mitarbeiterinnen der Stadt Regensburg und Marion Schmid vom Verband für Popkultur in Bayern, die heute Abend leider nicht hier sein können. Wir haben die von der LAG gegründete Kampagne 2017-2018 in Regensburg durchgeführt und ich freue mich besonders, dass sich so schnell eine Nachfolgestadt gefunden hat: Uns geht’s ums Ganze 4.0! Ich möchte euch, dem Amberger Organisationsteam, die besten Wünsche für ein neues Kampagnenjahr mit auf Weg geben!

Mir persönlich sind zwei wesentliche Aspekte unserer Kampagnenzeit in Erinnerung geblieben, der Untertitel „Mädchen und Frauen für Selbstbestimmung“ deutet dies schon an. Für mich setzt Selbstbestimmung voraus, dass Räume geschaffen werden, in denen Möglichkeiten und Alternativen entstehen können, in denen Platz ist für Kreativität, bunte Ideen und unterschiedliche Spielarten. Jemandem Selbstbestimmung zu ermöglichen, heißt auch, ihm und ihr die Wahl zu lassen, überhaupt eine Auswahl zu ermöglichen und Platz für eigene Entscheidung zu lassen. Nicht die Biologie bestimmt dabei, welche Auswahl uns gegeben wird, sondern die Gesellschaft um uns herum. Und dazu können wir und könnt ihr als neues Kampagnenteam einen entscheidenden Beitrag leisten.

Der zweite wesentliche Aspekt ist für mich die Netzwerkarbeit. Wir haben mit der Durchführung der Kampagne die Mädchen- und Frauenarbeit in Regensburg nicht neu erfunden, sondern versucht, sichtbar zu machen! Die KooperationspartnerInnen, deren Veranstaltungen wir in einem gemeinsamen Programm zusammengefasst haben, arbeiten teilweise schon seit Jahrzehnten unermüdlich in der Mädchen- und Frauenförderung. Durch das Regensburger Kampagnenjahr sind neue Kooperationen gestaltet worden und alt bekannte Gesichter haben sich in anderen Rahmen wieder getroffen. Und dieser Gedanke zieht sich sogar über die Kampagnen hinweg, weiter: So ist auch eine neue Kooperation zwischen meiner Kollegin Marion Schmid vom Verband für Popkultur in Bayern mit dem Amberger Kampagnenteam entstanden. Halten Sie also die Augen offen! Ich darf an dieser Stelle verraten, dass im Herbst ein spannender Workshop mit Lena Dobler, die eben auf der Bühne war, stattfinden wird.

Angebote und Aktionen nach außen zu tragen ist für mich die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die Zusammenarbeit nach innen, die Vernetzung, der Austausch von Themen und Fragen, Ärger, und Ratlosigkeit, Begeisterung und Motivation. Ich finde es unglaublich hilfreich, dass es Netzwerke gibt, die stärken und halten, Austausch ermöglichen. Denn die Arbeit in der Mädchen- und Frauenförderung gestaltet sich nicht nur einfach. In Regensburg haben wir mitunter statt Begeisterung, auch Skepsis, Vorwürfe und teilweise Abwertungen geerntet. Netzwerke tragen einen großen Teil dazu bei, standhaft zu bleiben, nicht abzurücken von den Zielen, die wir und ihr euch gesetzt habt und weiter für die Rechte von Mädchen und jungen Frauen einzutreten.

Als besonderes Zeichen darf ich euch heute die „Wander-Toni“ überreichen, die ähnlich wie ein Staffelstab, schon seit Beginn der Kampagne von Region zu Region, Team zu Team weitergereicht wurde. Jetzt wandert sie also an den neuen Ort des Geschehens zu euch nach Amberg und findet hoffentlich auch nach Abschluss eures Jahres viele weitere Reiseorte.

In diesem Sinn, wünsche ich euch neuem Kampagnenteam viele tolle Begegnungen, mit BesucherInnen und KollegInnen, Mädchen und Frauen, jung und alt, spannende Projekte und viel Raum für neue Ideen und Selbstbestimmung!